FR 06.03.2026
Das mit dem besseren Wetter blieb ein frommer Wunsch. Es regnete nachts, es regnete morgens und es regnete mittags und so entschliesse ich mich nach dem Studium etlicher Wetterkarten weiter zu fahren. Allerdings zunächst nicht weiter südwärts, sind doch für Katalanien für die kommenden zwei Tage erhebliche Regenmengen vorhergesagt.
Und so investiere eine Stunde Fahrt und steuere Carcassone an. Die mittelalterliche Altstadt mit dem Schloß der Grafschaft und der Basilika Saint Nazaire wurde 1997 zum Weltkulturerbe ernannt und stand bereits bei unserer Reise durch Südfrankreich auf der Besichtigungsliste. Aus Zeitgründen mussten wir die Stadt seinerzeit jedoch „links liegen“ lassen und fuhren dran vorbei.


Obwohl es auf dem Weg zum nächsten Ziel etwas aufhellte, blieb ich doch auch in Carcassone nicht vom Regen verschont. Vom Stellplatz sind es ca. 20 min Fußweg zur Altstadt, das letzte Stück steil bergauf. Der Weg entlang eines Baches mit altem Baumbestand war trotz andauerndem Nieselregen beeindruckend. Und eine Stadtbesichtigung bietet bei einsetzendem Schauer mehr Möglichkeiten, sich unterzustellen, als dies in der freien Natur der Fall ist.
SA 07.03.2026
Es hat die ganze Nacht immer wieder geregnet, der Regen begleitet mich beim Frühstück und bei der Abfahrt. Trotzdem habe ich mich dazu entschlossen, nicht denselben Weg über die Autobahn zurückzunehmen, sondern stattdessen die Pyrenäen zu „überqueren“. Und es war die richtige Entscheidung: nach einer halben Stunde Fahrt war ein Stück blauer Himmel zwischen den dunklen Wolken zu sehen und eine weitere halbe Stunde später die Sonne.
Am Anfang ist die Straße noch gut ausgebaut. Je näher ich jedoch zum Pass komme, umso enger und steiler wird es. Zum Glück kommt mir zwischen hier und dem ersten Dorf auf der anderen Seite kein einziges Fahrzeug entgegen – aber man muss immer vorbereitet sein und so fahre ich langsam um die zahlreichen Kurven.
Stellenweise hatten benachbarte Bäche die Straße als Abkürzung für das viele Wasser entdeckt und das Wasser schießt auf voller Straßenbreite bergab, für tiefe Pfützen ist die Straße zu steil. Die anhaltenden Regenfälle der letzten Tage und die Schneeschmelze auf den Bergen sind zusammengefallen.


Auf der Passhöhe Col de Jau (1.509 m) erwartet mich nicht die erhoffte grandiose Aussicht, der Pass lag in einer Wolke und ich musste die ersten km nach unten durch den Nebel fahren, ehe ich die Sonne wieder sah.
Mein erstes Ziel hinter dem Pass ist die Ortschaft Villefranche de Conflent. Hier beginnt die Linie des „gelben Zuges“, einer Gebirgs-Schmalspurbahn vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die ganzjährig nicht nur Touristen befördert. Der ganze Ort ist befestigt, eine Mauer ringsum und Türme schützen den Ort seit dem 11. Jahrhundert. Und auf der Höhe noch eine weitere Befestigungsanlage, wieder einmal ein Werk von – Ihr ahnt es schon – dem großen Baumeister Vauban und zusammen mit 11 weiteren Wehranlagen von ihm steht auch diese auf der Liste des Weltkulturerbes.


Ein Spaziergang durch die kleine 200-Seelen-Gemeinde und ich erfahre am Touristenbüro, dass die Schmalspurbahn derzeit nur von der nächsten größeren Station aus fährt und beschließe, die 30 km weiter zu fahren.

In der Nähe der Bahnstation finde ich einen Campingplatz an einem Stausee der Hochebene. Ich befinde mich hier mitten im Skigebiet. Auch wenn die Straße und Felder nur noch letzte Spuren von Schnee aufweisen, sehe ich doch neben der Straße einige Skifahrer an einem Lift anstehen.