Iberia 2026

Tag 9+10: Jröne Papajeie

Tag 9+10: Jröne Papajeie

DI 10.03.2026

Nach dem Frühstück mache ich mich auf zum nahegelegenen Bahnhof, von wo aus man in einer guten halben Stunde Barcelona erreicht. Wie fast überall, stellt der Fahrscheinautomat ein schier unüberwindliches Hindernis dar – wenn man nicht auf die Hilfe Einheimischer zurückgreift. Am Nebenautomaten versucht bereits ein Ehepaar aus Mettmann, die auch auf dem Stellplatz übernachteten, dem Automaten eine Fahrkarte zu entlocken. Ich spreche einen Spanier an, ob er mir helfen könne und tatsächlich, bei ihm kommt ein Fahrschein aus dem Automat – ohne jeglichen Zahlungsvorgang. „The ticket is for free“ erklärt er mir und auf meinen fragenden Blick hin erläutert er, das Bahnunternehmen hätte in der Vergangenheit einige Probleme gehabt und daher könne man z.Zt. Tickets umsonst aus dem Automaten ziehen. Da wären wir ja nie drauf gekommen ! (Nachtrag: Meine spätere Recherche ergab, dass es sich um eine von der Regierung geförderte befristete Aktion handelt, um den Nahverkehr attraktiver zu machen)

Ich steige am Triumphbogen (ja – sowas gibt es hier auch) aus und beginne zunächst einen ziellosen Bummel, um die Stadt auf mich wirken zu lassen. Ich sehe viele prachtvolle Bauten aus der vergangenen Jahrhundertwende, der katalanischen Gründerzeit, aber auch eher Ecken mit eher morbiden Charme. Zwischendurch lege ich eine Pause ein und lausche dem Gitarrenspiel eines Musikers aus Santo Domingo.

Ein Ausflug mit dem Bus führt mich auf den Montjuïc, den Hausberg Barcelonas. Hier oben gibt es auch ein Castell und vor allem eine interessante Sicht von oben auf die Stadt.

Den Rückweg trete ich zunächst zu Fuß an, nutze später aber auch die Metro, um einmal an der Sagrada Familia, der wohl bekanntesten Baustelle Barcelonas, vorbeizuschauen. Die Kirche entsteht nach Entwürfen des berühmten katalonischen Architekten. Als Sohn einer Kesselschmiedefamilie studierte er später an der Architektenschule in Barcelona. Vom Direktor dieser Schule wird anlässlich seines Abschlusses folgendes Zitat übermittelt: „Wer weiß, ob wir das Diplom einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben – die Zeit wird es uns sagen.“

An der Sagrada Familia wird seit 1882 gearbeitet und die Fertigstellung ist noch nicht absehbar. Allerdings hat man im Februar 2026 das Spitzenkreuz auf dem Turm vollendet und nun ist dieser der höchste Kirchturm der Welt und hat das Ulmer Münster auf Platz 2 und den Kölner Dom auf den dritten Platz verdrängt.

Rund um die Kirche wimmelt es von Touristen, weite Teile der Umgebung sind zudem als Baustellenbereich abgesperrt. Lange Schlangen bilden sich vor den Kassen und überall stehen Menschen zum fotografieren des Bauwerks, aber vor allem von sich selbst mit dem Bauwerk – nicht meine Welt. Ich mache mich langsam auf den Rückweg. Der Abend verläuft ruhig und kurz, neben den Fahrten mit dem ÖPNV sind noch knapp 11 km zu Fuß zusammengekommen und da darf man dann früh müde werden.

MI 12.03.2026

Ich habe beschlossen, einen weiteren Tag in Barcelona zu verbringen. Dieses Mal bin ich aber bereits um 7:00 mit der Bahn unterwegs und die über dem Meer aufgehende Sonne verspricht einen weiteren schönen Frühlingstag. Als ich gegen 8:00 h die Sagrada Familia nochmals ansteuere, sind dort nur sehr wenige Touristen und die Bauarbeiter in der Überzahl.

Danach besuche ich den Hafen und zwei Markthallen. Am Hafen ist eine Wagenburg eines historischen Zirkus aufgebaut. Die alten Fahrzeuge und Zirkuswagen erinnern an Roncalli. Die zweite Markthalle nahe der Rambla ist inzwischen mehr Touristenspot als klassischer Markt. An den meisten Ständen bekommt man vorbereitete Tapas aus den Marktprodukten, aus Fleisch, Fisch und Obst. Alles schön hergerichtet und bunt, Einheimische kaufen hier aber vermutlich nicht mehr ein.

Da sich die Stadt inzwischen wieder anfüllt, beschliesse ich die Krypta von Gaudi, eine erste von ihm entworfene Kirche vor den Toren Barcelonas zu besuchen. Mit Vorortbahn und Bus ist es etwa eine Stunde bis dort. Abgesehen von den Eindrücken auf der Fahrt hat sich das Ziel nicht gelohnt. Die Kirche ist ringsum mit einem hohen Zaun umgeben, nirgends bietet sich ein Blick auf das Gesamtbauwerk, nichts, was ich Euch hier zeigen könnte.

Es ist bereits Nachmittag und ich mache mich auf den Rückweg zum Stellplatz. Achja – noch ein Wort zum Titel des heutigen Berichtes. Diese grünen und lauten Vögel findet man fast überall in Barcelona, ebenso wie bei uns in Köln. Und jetzt sind sie besonders laut und geschäftig, neben der Futtersuche wird auch Baumaterial für die Nester zusammengetragen – nächstes Jahr wird es also wohl noch mehr davon geben.

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