Iberia 2026

Tag 13+14: Vom Winde verweht

Tag 13+14: Vom Winde verweht

SA 14.03.2026

Nach der Anstrengung gestern wird es heute ein ruhiger Tag. Am Vormittag ist es bewölkt, aber es bleibt trocken. Mittags kommt dann die Sonne raus, gleichzeitig frischt der Wind auf.

Ich unternehme noch eine kleine Radtour entlang der Küste. Nördlich von L´Ampolla gibt es eine Steilküste mit rotem Sandstein, ein schönes Bild, von der Sonne beschienen und im Kontrast zum blauen Himmel. Allerdings geht es auch immer rauf und runter, aber alle Akkus sind wieder aufgeladen und so erreiche ich steil bergauf noch die Geschwindigkeit, die ich gestern zum Ende meiner Tour gerade noch auf der Ebene schaffte.

Zum Schluß noch schnell einige Lebensmittel einkaufen, zur Kaffeezeit bin ich wieder zurück, den Nachmittag nutze ich zum Lesen, Duschen etc.

SO 15.03.2026

Die Nacht war windig, immer wieder wurde der Camper von Böen geschüttelt. Am Morgen dann weiter nach Süden. Bei der Abfahrt habe ich noch einen Blick auf die Vögel, die am FR früh morgens zu Hunderten über mich hinweggezogen sind und nahegelegene Felder aufsuchten.

Bevor ich aber dort mein heutiges Tagesziel ansteuere, versuche ich noch, das Städtchen Tortosa, einige Kilometer im Landesinneren zu besuchen. Warum versuchen ? Nun, im Camper verwende ich normalerweise eine Navigation für LKW und Camper mit dem Vorteil, Daten zu Gewicht, Höhe etc. eingeben zu können. Das funktioniert zumeist zuverlässig. Heute jedoch soll ich zweimal auf bessere Feldwege abbiegen, fahre aber jedes Mal weiter. Der nächste Vorschlag ist ein asphaltiertes Sträßchen, nicht breit, aber mit regelmäßigen Ausweichstellen. Das nehme ich.

Nach einigen Kilometern links ab, immer noch asphaltiert, aber noch schmäler. Nach ungefähr 300 m kommt mir ein Fahrzeug mit spanischer Nummer entgegen. Der Fahrer kurbelt die Scheibe herunter „Das ist keine gute Idee“ höre ich mit leicht badischem Akzent. Er kommt aus Todtnau, lebt schon seit 20 Jahren in Spanien und erklärt mir, dass die Straße über einen Pass führt und denkbar ungeeignet für meinen Camper ist. Also rückwärts zurück bis zum Abzweig, wieder ins Tal und seiner Beschreibung nach: eine vierspurig ausgebaute Straße führt mich nach Tortosa.

Kurz dazwischen: ich muss immer mal wieder zum Tanken, auch heute ist es soweit. 1,598 € für den Liter Diesel ! Spanien hatte vor 20 Jahren mit die höchsten Energiepreise der EU. Dann hat man viel Geld in erneuerbare Energien investiert und hat heute mit die niedrigsten Energiekosten – und ist deutlich unabhängiger von fossilen Energien und deren Krisenanfälligkeit. Danke an unsere Regierung, die mit der Cheflobbyistin Reiche gerade dabei ist, die Erneuerbaren zurückzufahren und unter dem Deckmäntelchen der Technologieoffenheit zurück zu fossilen Brennstoffen kommt.

Tortosa – eine über 2.000 Jahre alte katalonische Stadt, im 10. Jahrhundert von den Mauren besetzt, damals entstand die mächtige Burg. Nach der Rückeroberung1148, der Reconquista, wieder christlich regiert, war die Stadt im Mittelalter bekannt für das friedliche Zusammenleben von Christen, Juden und Moslems.

Bei meinem Spaziergang durch die Stadt treffe ich immer wieder auf Gebäude des Katalanischen Jugendstils in unterschiedlichem Erhaltungszustand.

1938 war Tortosa ein zentraler Schauplatz der Ebroschlacht, vier Jahre lang kämpften die republikanischen Truppen gegen die Putschisten um Franco, die von der deutschen Wehrmacht unterstützt die Stadt bei Bombenangriffen stark zerstörten. Die Kathedrale von Tortosa war Ziel ständiger Luftangriffe, da ihre tunnelartigen Gänge damals als Luftschutzbunker genutzt wurden.

Nach dem Spaziergang durch die Stadt, dem Besuch der prächtig ausgestatteten Kathedrale und einer Patisserie, fahre ich wieder zurück an die Küste des Mittelmeeres. Das nächste Ziel ist der Küstenort Peñíscola in der Provinz Castellón. Hier thront die Burg der Tempelritter aus dem 14. Jahrhundert auf einem Felsen über dem Ort, der zu den schönsten Dörfern Spaniens zählt. Der starke Wind, der mich bereits seit SA begleitet, lässt die sonst angenehme Temperatur von 19 °C fast vergessen.

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